Pippi Langstrumpf wird 75! (wird verschoben, Ersatztermin folgt)
Astrid Lindgren - ganz persönlich: Ein Multimedia-Vortrag zu Landschaft, Leben und Werk Astrid Lindgrens sowie der Heimat der starken Charakterfiguren aus Astrid Lindgrens Romanen

Am 1. September 1945 hat die freiheitsliebende Pippi Langstrumpf nicht nur der Kinderwelt ein neues Gesicht gegeben! Anlässlich dieses Gedenkens und der nachhaltig herausragenden Bedeutung der Kinderbuchliteratur Astrid Lindgrens laden wir zu einem Multimedia-Vortrag ein.
Der bekannte NDR-Moderator und Photograph Peter von Sassen nimmt sein Publikum auf begeisternde Weise mit auf Spurensuche in Bullerbü und Katthult. Peter von Sassen hat Astrid Lindgren in ihrer letzten Lebensphase kennengelernt, als sie schon nicht mehr geschrieben hat, aber noch mit großer Intensität und Klarheit auf ihr Leben und ihr Werk zurückblicken konnte. Aus diesen Begegnungen entstand ein vorsichtiges und emotionales Porträt: eine gefühlvolle Mischung aus historischen Dokumenten, Landschaftsbildern, Gesprächen mit Wegbegleitern und Ausschnitten aus den Werken der Trägerin des alternativen Nobelpreises.

Peter von Sassen schildert Astrid Lindgrens Humor mit Anekdoten aus seinen umfangreichen Interviews. "Astrid war so, wie man sich einen Menschen wünscht", sagt Peter von Sassen. Er zeigt Astrid Lindgren in allen Facetten ihres herausfordernden Lebens: Sie war alleinerziehende Mutter, ihr Mann und ihr Sohn starben früh. "Ihr Leben war von Höhen und Tiefen geprägt. Deswegen war uns Astrid Lindgren so nahe", so von Sassen.

Zeit: Fr. 25.09.2020, 19:30 Uhr bis 22:00 Uhr (Einlass: 19:00 Uhr)
Ort: Martin Luther-Haus Steinfurt, Wettringer Str. 10, Steinfurt
Kosten: 25,- € (Ermäßigung möglich)
Referent: Peter von Sassen, Journalist, Autor und Photograph
Anmeldung:  Eine Anmeldung ist nicht zwingend, aus gegenwärtigem Anlass wird jedoch ausdrücklich darum gebeten, da die gebotenen Abstandsregelugen geringere Platzkapazitäten ermöglichen.
Richten Sie Ihre Anmeldung bitte an: Anne Dzierzawa, buero@ev-ju.de oder telefonisch: 02573/797.


Wildes Denken und aufgeklärte Spiritualität
Eine Filmreihe mit Werken des Autorenfilmers Rüdiger Sünner

Rüdiger Sünner ist Autorenfilmer. Sein Blick gilt der Person. Es gelingt ihm mit seinen Filmen nicht nur Nachdenklichkeit zu erzeugen, sondern eigenes Handeln zu verändern, Spiritualität neu zu denken und zu finden, der (Gottes-)sehnsucht und der Liebe zum Leben auf der Spur zu sein.

In Kooperation mit der Kulturinitiative Metelen (KIM), dem Ev. Frauenreferat und der zeigen wir 6 Filme von Rüdiger Sünner und laden im Anschluss bei „Brot und Wein“ zum Nachdenken über den Film und Reflexion der Filminhalte für die Spiritualität, Lebensorientierung und -praxis ein.

1.    Gottes zerstreute Funken (Paul Celan)
Paul Celan reiste 1968 auf seiner Israelreise nach Safed, wo er das Grab des jüdischen Mystikers Isaac Luria (1534-1572) aufsuchte, dessen spirituelles Weltbild den Dichter der "Todesfuge" tief faszinierte. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien (1492) hatte Luria die Kabbala völlig neu gedeutet: Gott hat sich bereits zu Beginn der Schöpfung zurückgezogen und auch seine wenigen verbliebenen Lichtstrahlen waren noch zu mächtig, so dass die ersten Seinsformen zerbrachen. Seitdem schwirren Millionen von Scherben durch das Universum, an denen noch die Restfunken des einstigen göttlichen Lichtes kleben. Diese können wir jedoch überall - selbst im Allerkleinsten und Unscheinbarsten - wahrnehmen. Die Aufgabe des spirituellen Menschen besteht daraus, diese Funken wahrzunehmen und einzusammeln.

Der Film "Gottes zerstreute Funken" spürt Celans Interesse an diesem spirituellen Weltbild an zentralen Orten und Landschaften seiner Biographie nach: im Deutschen Literaturarchiv Marbach, wo sein Nachlass verwahrt wird, in Paris, wo er hauptsächlich lebte, und er folgt den Spuren von Celans Reisen nach Israel, in die Bretagne und in den Schwarzwald, wo der Dichter 1967 den Philosophen Martin Heidegger traf.
Im Anschluss an den Film findet bei "Brot und Wein" ein Gespräch über den Film statt, das sowohl den Hautpakteuer Paul Celan, seine Spiritualität und Persönlichkeit in den Blick nimmt als auch den Film im Ganzen bespricht.

2.    Mystik und Widerstand (Dorothee Sölle)
Die Religion des 3. Jahrtausends wird mystisch sein oder absterben." (Dorothee Sölle)
Die evangelische Theologin Dorothee Sölle (1929-2003) war nicht nur bekannt für ihr politisches und feministisches Engagement, sondern beschäftigte sich auch zeitlebens mit den Texten der großen Mystiker. Als zeitgemäße Spiritualität konnte sie sich nur eine individuelle Gotteserfahrung jenseits von blind übernommenen Traditionen vorstellen
Die bildgewaltige Sprache der Mystiker diente ihr dafür als Vorbild, etwa Mechthild von Magdeburg oder Thomas Müntzer, die wie sie - ebenfalls aufsässige Geister waren.
Mystik und Widerstand, so Sölles These in ihrem gleichnamigen Buch, müssen keine Gegensätze sein: gerade die Erfahrung des »göttlichen Funkens« kann ein Impuls für soziales und politisches Engagement werden.

Der Film ist ein Porträt einer großen, bedeutenden, einflussreichen und nachdenkenswerten Theologin des 20. Jahrhunderts.
Im Anschluss an den Film findet bei „Brot und Wein“ ein Gespräch über die Theologie, Spiritualität und Persönlichkeit Dorothee Sölles statt.

3.    Engel über Europa (Rainer Maria Rilke)
Rainer Maria Rilke war nicht nur einer der größten deutschen Dichter, sondern auch ein spirituell Suchender, der jedoch ganz eigene Wege ging. Der bigotte Katholizismus seiner Mutter konnte ihn nicht befriedigen, sondern stieß ihn in seiner erdrückenden Schwere ab. Lebenslang schaute sich der Dichter in den spirituellen und mythologischen Traditionen der Welt um, um Inspirationen für seine eigene Gottessuche zu finden. Rilke pflegte Kontakt mit Esoterikern, Anthroposophen und scheute auch nicht die Teilnahme an spiritistischen Séancen, wie es um 1900 Mode war. Vor allem München bot vor dem Ersten Weltkrieg viele diesbezügliche Anregungen: Rilke lebte in unmittelbarer Nähe zu Sinnsuchern wie Paul Klee, Wassily Kandinsky, Franz Marc, Stefan George, Alfred Schuler und Rudolf Steiner, die alle Ausschau nach einer Alternative zu christlichen Glaubensformen hielten.
Auf Reisen durch Spanien, Italien, Nordafrika, Ägypten und Russland ließ sich Rilke auch auf die spirituellen Formen anderer Kulturen ein: auf das mystisch-orthodoxe Christentum des Ostens, den Islam, das Alte Testament, aber auch auf die Mythenwelt des alten Ägypten oder der griechischen Antike. Er übernahm nichts, was nicht durch seine inneren Erfahrungen gelaufen war und in seinem Sprachkosmos zu neuem poetischem Ausdruck verwandelt werden konnte.
Vor allem aber spürte Rilke das "Göttliche" in den kleinen Dingen und in der Natur auf. Dabei verlor der Dichter auch nie die dunkle Seite Gottes aus dem Blick: Er war kein naiv Glaubender, sondern ein lebenslang Ringender, der jedoch zutiefst vom letztlich Geheimnisvollen und Wunderbaren allen Lebens überzeugt war, egal welche Schicksalsschläge ihn auch heimsuchten.

Im Anschluss laden wir bei "Brot und Wein" zu einer Reflexion der im Film angestoßenen Gottesbilder ein, der Frage nach Sinn und Orientierung, der Begegnung mit den Konfessionen und Religionen, verschiedensten Spiritualitäten und gehen der Frage nach, wie die Pluralität der Formen für die eigene Gott- und Sinnsuche genutzt werden kann.

4.    Schwarze Sonne
Der Film "Schwarze Sonne" beleuchtet den Einfluss von esoterischen Weltbildern und Mythen auf die Ideologie des "Dritten Reiches".
Bereits um 1900 entstanden in Deutschland und Österreich zahlreiche okkulte und neogermanische Gruppen,
die aufgrund von missverstandenen Legenden und Symbolen die Dominanz der "arischen Rasse" behaupteten.
Etliche NS-Führer fanden darin zusätzliche Bestätigungen für ihr Weltbild, so etwa Rudolf Heß, Alfred Rosenberg, Hans Frank oder Heinrich Himmler.
 
Mittels Rhetorik, Sakralarchitektur und spektakulären Masseninszenierungen wurden solche pseudoreligiösen Inhalte auch ins Unterbewusstsein der Massen versenkt. Dazu gehörten Lichterdome, Fackelmärsche, Sonnenwendfeuer und die Glorifizierung der Germanen in Kulturfilmen, Schulunterricht und Wissenschaft.

Im Anschluss laden wir herzlich zu einem Nachgespräch bei „Brot und Wein“ ein.


5.    Zeige deine Wunde
Der „verwundete Heiler“ – Spiritualität als Kunst der Verwandlung und Regeneration

Der Aktionskünstler, Bildhauer, Kunsttheoretiker und Pädagoge Joseph Beuys, zeitlebens umstritten, anstößig im besten Sinne, wollte berühren und berührbar sein. Die seelische und körperliche Verletzlichkeit des Menschen war sein Thema. Nicht zufällig trägt eine seiner bekanntesten Installationen den Titel »zeige deine Wunde«.

Beuys, heute weltweit als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts angesehen, hegte tiefes Interesse für Mythologie, Schamanismus, Anthroposophie, Alchemie und Mystik. Vor allem aber war er ein »verwundeter Heiler« im Sinne C. G. Jungs, der unser zunehmend auf ökonomische Ziele und rationale Effizienz reduziertes Bewusstsein durch seine Arbeiten erweitern wollte. Wie die alten Mythen, so bewegte sich Beuys in Bildern und Symbolen, die für ihn wichtige Quellen zur Entwicklung unserer verkümmerten Imagination waren. Sein berühmter Satz »Jeder Mensch ist ein Künstler« meinte nicht, dass jeder wie Mozart komponieren kann, sondern dass in jedem von uns schöpferische Kräfte wohnen, die unseren eigentlichen Wesenskern ausmachen.

Im Anschluss laden wir herzlich zu einem Nachgespräch bei „Brot und Wein“ ein.


6.    Wildes Denken mit einem Gespräch mit dem Regisseur Rüdiger Sünner

Das "wilde Denken" indigener Kulturen sieht - nach der Analyse des Ethnologen Claude Lévi-Strauss - eher fließende Übergänge zwischen Mensch und Natur, Alltag und Geisterwelt, Leben und Tod. Der Film versucht, diese andere Weltsicht mithilfe von Masken, Kultobjekten, Ritualen und ethnographischem Filmmaterial aus Amerika, Afrika, Asien, Sibirien und der Südsee anschaulich zu machen.

Doch auch Europa kannte über Jahrtausende solche mythologischen und animistischen Traditionen, was etwa über die Höhlenkunst der Eiszeit, die Kelten oder den Naturbezug der Mystiker und Romantiker verdeutlicht werden kann. Der Film fragt auch, wie die Formen des "wilden Denkens" gerade heute - im Zeitalter von Naturzerstörung und ökonomischem "Steigerungszwang" (Hartmut Rosa) - unseren geistigen Horizont erweitern könnte.

Im Anschluss laden wir bei „Brot und Wein“ zu einem Gespräch mit dem Regisseur Rüdiger Sünner ein. 

Zeiten und Orte:
Do. 01.10.2020, 19:00 Uhr bis 22:00 Uhr
"Gottes zerstreute Funken" (Paul Celan) im Ev. Gemeindehaus Gescher, Prozessionsweg 4, Gescher

Do. 08.10.2020, 19:00 Uhr bis 22:00 Uhr
"Mystik und Widerstand" (Dorothee Sölle) im Ev. Gemeindehaus Reken,

So. 11.10. 2020, 17:00 Uhr bis 20:00 Uhr
 "Engel über Europa" (Rainer Maria Rilke) in der Dankeskirche, Heeker Str. 27, Metelen

So. 01.11.2020, 16:00 Uhr bis 19.00 Uhr  
"Schwarze Sonne" und "Geheimes Deutschland" in der Kulturetage Metelen, Wettringener Str. 2, Metelen

Do. 12.11.2020, 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr
"Mystik und Widerstand" (Dorothee Sölle) im Ev. Gemeindehaus Burgsteinfurt, Flintenstr. 9, Burgsteinfurt

So. 22.11.2020, 17:00 Uhr bis 20:00 Uhr
„Zeige deine Wunde“ (Joseph Beuys) im Ev. Gemeindehaus Borghorst, Fürstenstr. 9-11, Steinfurt (Borghorst-Horstmar)

So. 29.11.2020, 17:00 Uhr bis 20:00 Uhr
 "Wildes Denken" in der Kulturetage Metelen, Wettringener Str. 2, Metelen
Besonderes Highlight: An diesem Abend ist der Regisseur Rüdiger Sünner selbst da und freut sich auf ein Gespräch mit den Veranstaltern und dem Publikum.

Kosten: Der Eintritt ist frei. Um eine angemessene Spende wird gebeten.
Anmeldung: Eine Anmeldung ist nicht zwingend, aus gegenwärtigem Anlass wird jedoch ausdrücklich darum gebeten, da die gebotenen Abstandsregelugen geringere Platzkapazitäten ermöglichen.
Richten Sie Ihre Anmeldung bitte an: Anne Dzierzawa, buero@ev-ju.de oder telefonisch: 02573/797.
Referent*innen: Heike Bergmann (Pfarrerin, Frauenreferentin), Samuel Beutler (KIM), Dr. Esther Brünenberg-Bußwolder (Erwachsenenbildung)